2026-09-03 · 5 Min.
Nişan und Söz: Ringe für die türkische Verlobung

Wer in der Schweiz mit einer türkischen Familie verlobt wird oder selbst türkische Wurzeln hat, stösst schnell auf zwei Begriffe, die im Deutschen keine echte Entsprechung haben: Söz und Nişan. Beide bezeichnen Schritte auf dem Weg zur Hochzeit, beide haben eigene Bräuche rund um Ringe, und beide werden in den Familien, die wir im Atelier beraten, sehr unterschiedlich gelebt. Wir erklären hier die grobe Linie, mit dem Hinweis, dass Details von Familie zu Familie und von Region zu Region variieren.
Söz: das gegebene Wort
Söz bedeutet wörtlich „das Wort" oder „das Versprechen". Es ist ein kleinerer, oft informellerer Schritt vor der eigentlichen Verlobung, bei dem beide Familien im engsten Kreis zusammenkommen und sich gegenseitig ihr Einverständnis zur Verbindung geben. Nicht jede Familie kennt Söz als eigenen Anlass, in manchen geht man direkt zur Nişan über, in anderen ist Söz der Moment, in dem zum ersten Mal offiziell über eine gemeinsame Zukunft gesprochen wird. Auch beim Söz wird häufig schon ein Ring überreicht, meist ein schlichteres Stück als später bei der Nişan, manchmal auch nur symbolisch, etwa ein einfacher Goldreif.
Nişan: das grosse Verlobungsfest
Die Nişan ist die eigentliche, meist grössere Verlobungsfeier, mit beiden Familien, oft auch mit Freundinnen und Freunden, manchmal mit hunderten Gästen. Im Zentrum steht ein Ritual, das die meisten sofort erkennen: ein rotes Band wird durch die Ringe der beiden Verlobten gezogen und ihnen an den Ringfingern angelegt, meist von der ältesten anwesenden Person der Familie. Danach schneidet jemand, häufig ein unverheirateter Verwandter oder eine kinderlose Person aus symbolischen Gründen, das Band mit einer Schere durch. Das Durchschneiden markiert den offiziellen Beginn der Verlobung, das rote Band selbst steht für Glück und Schutz.
- Vor dem Ritual: die Ringe liegen bereit, oft auf einem Kissen oder Tablett, verbunden durch das rote Band.
- Beim Ritual: eine ältere Familienperson steckt beiden Verlobten den Ring an, meist zunächst an die rechte Hand.
- Nach dem Durchschneiden: Glückwünsche, oft Applaus, danach beginnt das eigentliche Fest mit Essen und Musik.
- Nach der Nişan: die Ringe werden im Alltag weitergetragen, häufig bis zur Hochzeit selbst.
Warum wir hier bewusst allgemein bleiben
Die Türkei ist ein grosses Land mit vielen Regionen, Religionsgemeinschaften und städtischen wie ländlichen Prägungen, und dasselbe gilt für die türkeistämmigen Familien in der Schweiz. Eine Nişan in Istanbul kann anders aussehen als eine in Anatolien, eine säkular geprägte Familie feiert anders als eine religiös geprägte, und die zweite oder dritte Generation in der Schweiz mischt oft eigene, neue Elemente hinein. Wir beschreiben hier bewusst die Grundlinie, die wir im Atelier am häufigsten sehen, ohne zu behaupten, dass es die eine richtige Art gibt, Nişan zu feiern. Erzähl uns bei einem Termin gern, wie es in deiner Familie gehandhabt wird, das hilft uns, den passenden Ring vorzuschlagen.
Welche Hand, und was mit dem Ring nach der Hochzeit passiert
In der Türkei ist es verbreitet, den Verlobungsring an der rechten Hand zu tragen, anders als in der deutschsprachigen Schweiz, wo die linke Hand die Mehrheitsgewohnheit ist. Bei der Hochzeit wandert der Ring bei vielen Paaren dann auf die linke Hand, zusammen mit dem Ehering, bei anderen bleibt er einfach rechts. Es gibt hier keine einzig richtige Variante, das hängt von Familie, Region und persönlichem Geschmack ab, und wir raten dir, das offen mit deiner Partnerin oder deinem Partner und der Familie zu besprechen, statt eine Annahme zu treffen. Wie unterschiedlich die Handgewohnheiten in der Schweiz selbst gelebt werden, erklären wir übrigens auch in unserem Beitrag zur Ringhand.
Welcher Ring passt zur Nişan
Beliebt für die Nişan ist häufig ein Solitär-Ring, ein einzelner Stein in klarer Fassung, der bei der Zeremonie gut sichtbar ist und auf Fotos schlicht und elegant wirkt. Genauso verbreitet ist ein Ring aus Gelbgold, gerade in Familien mit stärker traditioneller Prägung, während jüngere Paare zunehmend auch Weissgold oder eigene Designs wählen. Wichtig ist vor allem, dass beide Ringe der Verlobten farblich und stilistisch zusammenpassen, weil sie beim Ritual nebeneinander gezeigt werden. Wir beraten dich gern zu Stein, Fassung und Metall, ganz ohne Annahme, wie „türkisch" ein Ring auszusehen hat, jedes Paar entscheidet das selbst.
Was émin nicht anbietet, und was wir stattdessen tun
Neben den Verlobungsringen selbst gehört bei vielen türkischen Familien auch Brautgold zum Fest, meist als Geschenk der Gäste in Form von Armreifen oder Münzen in 22 Karat. Dieses klassische Brautgold führen wir bei émin nicht, weil es ein eigenes Handwerk mit eigenen Legierungen ist, das wir nicht seriös daneben anbieten wollen. Worauf wir uns spezialisiert haben, sind Verlobungs- und Eheringe in 750er Gold, mit natürlichen oder Labordiamanten, individuell gestaltet und ehrlich bepreist. Verlobungsringe bei uns beginnen ab CHF 1'900, für die Nişan lohnt sich ein gemeinsamer Termin, im Atelier in Zürich Kreis 4 oder per Video, wo wir auf Deutsch, Englisch und Türkisch beraten. Mehr zu unserer Beratung für türkischsprachige Paare findest du auf unserer Seite für türkische Familien in Zürich, und einen ersten Überblick über den klassischen Solitär-Stil gibt dir unsere Seite zum Solitär-Ring.

Gründer von émin, Juwelier in Zürich
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